Eine Adventivknospe ist eine Knospe, die außerhalb der üblichen Stellen entsteht, also nicht in einer Blattachsel.
不定芽 · futeiga · wörtlich unbestimmte Knospe
Stand: 2026-09-24
Was gemeint ist
Die Stellen, an denen Knospen austreiben, liegen in gewissem Maß fest, und die meisten liegen nahe der Blattachsel. Knospen aus anderen Teilen heißen unbestimmte Knospen und werden von den gewöhnlichen unterschieden. Sie kommen durchaus häufig vor und treiben bei manchen Arten oft mitten aus Stamm oder Ast aus.
Im Bonsai zählt die Adventivknospe vor allem im Inneren der Krone, dem Bereich, in dem Verzweigung erwünscht ist. Ohne Rücksicht auf Licht und Durchlüftung sterben dort selbst vorhandene Äste und Knospen ab. Je größer die äußeren Knospen und Äste werden, desto schlechter kommen Licht und Luft ins Innere, und die inneren Knospen werden zusehends schwächer. Vermieden wird das Absterben, indem die Kraft der äußeren Äste und Knospen bei Bedarf gebremst wird, damit das Innere gute Bedingungen behält. Fehlen die inneren Knospen erst, lässt sich der Baum nicht mehr zurückschneiden.
Von der Adventivknospe zu unterscheiden ist die schlafende Knospe, die bereits vor dem Herbst des Vorjahres angelegt ist, im Frühjahr nicht austreibt und trotzdem nicht tot ist.
Die schlafende Knospe sieht nur adventiv aus
Echte Adventivknospen entstehen an Ort und Stelle aus entdifferenzierten Parenchymzellen der Stammrinde, nachgewiesen unter anderem an Sommerlinde, Bergahorn und Esche. Bei Silberweide, Esche und einer tropischen Art werden dagegen von außen angelegte schlafende Knospen im Zuge des Dickenwachstums überwachsen und vom Rindengewebe eingeschlossen. Von außen sehen beide gleich aus, denn die eingeschlossenen Knospen wirken dann, als stammten sie aus dem Inneren.
Der Stockausschlag ist das strittige Beispiel
In der japanischen Bonsaifachsprache gilt der Stockausschlag als Adventivknospe. Bei strauchartig wachsenden Arten treiben am Fuß des Baumes unbestimmte Knospen aus, und dieser Austrieb oder die Knospe selbst heißt Hikobae. Ein entdeckter Stockausschlag ist abzuschneiden, weil er den ursprünglichen Baum schwächt, doch lässt sich aus ihm auch eine mehrstämmige Form aufbauen.
Die Botanik trennt dagegen gerade die überwachsene schlafende Knospe vom echten Adventivspross. Ob ein Stockausschlag aus dem einen oder dem anderen hervorgeht, bleibt für die Bonsaiarten offen.
In der Praxis
- Eine im astlosen Kroneninneren ausgetriebene Adventivknospe wird sorgfältig herangezogen und gekräftigt, denn sie kann eine verlorene Verzweigung ersetzen.
- Wer auf altes Holz zurückschneidet, hofft meist auf die schlafende Knospe und nicht auf eine Adventivknospe.
- Schlafende Knospen sind bei Nadelgehölzen besonders häufig und durch Rückschnitt anregbar.
Häufige Verwechslung
Ein Austrieb aus altem Holz ist nicht automatisch adventiv, denn eine schlafende Knospe, die aus der Rinde bricht, ist eine achselbürtige Knospe, die lange verdeckt war.
Die Adventivknospe im Kroneninneren ist ein Gewinn, der Stockausschlag am Fuß schwächt dagegen den Baum.
Verwandte Begriffe
Quellen
- 近代出版, 盆栽用語集, Einträge ふていが【不定芽】, ひこばえ【ヒコ生え】, ふところ【フトコロ】 und ねむりめ【眠り芽】, abgerufen am 2026-09-24
- 近代出版, 初歩から学べる盆栽教室, Lektion „06.せん定“, abgerufen am 2026-09-24
- Siegfried Fink, American Journal of Botany 70(4), 1983, abgerufen am 2026-09-24
