Vorwort
Warum diese Persönlichkeit hier Erwähnung findet
Die hier vorgestellte Persönlichkeit ist mir persönlich bekannt und ich habe sie über die Zeit schätzen gelernt – für ihre Art, ihr Wissen, ihre Leidenschaft oder einfach für das, was sie dem Bonsai und der Gemeinschaft gibt. Manche Menschen begegnen einem im Laufe des eigenen Bonsai-Weges und bleiben in besonderer Erinnerung. Genau solchen Persönlichkeiten möchte der Bonsai-Treff einen kleinen Platz geben und zugleich anderen die Möglichkeit bieten, sie etwas besser kennenzulernen. Denn ich bin überzeugt: Diese Menschen sollten beim Bonsai-Treff nicht unerwähnt bleiben.
Nicht, weil er seit Jahrzehnten auf internationalen Bonsai-Bühnen unterwegs wäre. Nicht, weil sein Weg schon als Jugendlicher zwischen Schalen, Draht und Bonsaischeren begonnen hätte. Und auch nicht, weil er von Anfang an den Plan hatte, einmal eine größere Öffentlichkeit für Bonsai zu begeistern.
Sein Weg ist deutlich ungewöhnlicher.
Holger Riegel kam vergleichsweise spät zum Bonsai. Nach eigenen Angaben standen in den ersten fünfzig Lebensjahren vor allem Sporthallen und Handballfelder im Mittelpunkt seines Lebens. Erst ab 2018 verschob sich der Schwerpunkt seiner Freizeit zunehmend in Richtung der kleinen Bäume in der Schale. Die Corona-Pandemie gab dieser Entwicklung anschließend zusätzlichen Schub.
Und genau darin liegt ein interessanter Punkt.
Bonsai ist schließlich kein Hobby, bei dem man innerhalb weniger Wochen zum Meister wird. Ein Baum lässt sich nicht beschleunigen, nur weil der Mensch plötzlich besonders motiviert ist. Er wächst nach seinen eigenen Regeln.
Vielleicht passt deshalb gerade diese Entwicklung so gut zum Bonsai.
Aus Interesse wurde Leidenschaft. Aus Leidenschaft wurde ein YouTube-Kanal. Und aus dem YouTube-Kanal entstand schließlich ein Buch, das heute vielen Einsteigern den Weg in dieses faszinierende Hobby erleichtert.
Vom Handball zum kleinen Baum
Holger Riegel war lange Zeit eng mit dem Handball verbunden. Auch als Trainer im Jugendbereich des Frisch Auf Göppingen taucht sein Name in Veröffentlichungen aus dieser Zeit auf.
Dann kam Bonsai.
Nicht als spektakulärer Lebensplan, sondern eher Schritt für Schritt. Genau so, wie es bei vielen Menschen passiert, die irgendwann vor einem kleinen Baum stehen und feststellen: Moment mal – warum fasziniert mich dieses Ding eigentlich so sehr?
Vielleicht kennst du das selbst.
Am Anfang steht häufig ein Baum, der noch gar nicht besonders nach Bonsai aussieht. Eine Baumschulpflanze, ein Gartenfund oder ein kleines Bäumchen aus dem Handel. Dann kommt die erste Schere ins Spiel.
Und plötzlich wird aus „ein bisschen Gartenarbeit“ eine ziemlich ernsthafte Beschäftigung.
Wo soll der Stamm hin? Welche Äste bleiben? Was macht die Pflanze in fünf Jahren? Wie sieht die Verzweigung später aus? Und warum hat dieses eine Ästchen genau dort plötzlich eine völlig andere Bedeutung als noch vor zehn Minuten?
Bonsai verändert den Blick.
Bei Holger Riegel entwickelte sich aus diesem Blick auf die Bäume zunehmend ein eigenes Projekt. Der entscheidende Schritt war dabei nicht irgendein spektakulärer Gestaltungserfolg, sondern das Teilen des eigenen Weges.
„my bonsai & koi“: Bonsai nicht von oben herab, sondern mittendrin
Der YouTube-Kanal „my bonsai & koi“
ist ein wichtiger Teil der Geschichte von Holger Riegel.
Interessant ist schon die Entstehung des Kanals. Die Leidenschaft für Japan und den japanisch geprägten Garten begann bei ihm zunächst über die Koi- und Teichwelt. 2012 entstand ein kleiner Goldfischteich, 2013 folgte der Koiteich. Weitere Entwicklungen im Garten kamen hinzu. Bonsai fand zunächst eher zurückhaltend seinen Platz – wurde aber schließlich neben den Koi zu einem zweiten großen Hobby.
Der Name „my bonsai & koi“ erzählt damit schon einen Teil der Geschichte.
Es geht nicht ausschließlich um Bonsai. Es geht um eine persönliche Beschäftigung mit einer Welt, in der japanischer Garten, Koi und Bäume in Schalen zusammenfinden.
Noch wichtiger ist aber die Haltung dahinter.
Holger Riegel beschreibt sich selbst auf dem Kanal ausdrücklich als Hobbyisten. Er möchte seinen Weg zeigen, über seine Bäume und Fische berichten und auch aus möglichen Fehlern lernen. Anregungen sind willkommen.
Das ist für die Bonsaiszene nicht ganz unwichtig.
Denn gerade Einsteiger kennen dieses Gefühl: Überall sieht man perfekte Bäume, perfekte Schalen, perfekte Gestaltung. Und daneben steht der eigene Bonsai, der nach dem ersten Drahten eher aussieht, als hätte er gerade einen Streit mit einem Gartenschlauch verloren.
Da tut es gut, wenn jemand zeigt, dass Bonsai nicht nur aus fertigen Meisterwerken besteht.
Es geht um Entscheidungen. Um Versuche. Um Entwicklung. Und manchmal auch darum, einen Fehler zu erkennen und daraus etwas mitzunehmen.
Genau diese Perspektive macht den Kanal für viele Bonsaiinteressierte interessant.
Zum YouTube-Kanal „my bonsai & koi“
Was Holger Riegel für die Bonsaiszene bewirkt hat
Der Einfluss eines Menschen auf eine Szene lässt sich nicht immer in Pokalen, Auszeichnungen oder Vereinsämtern messen.
Manchmal reicht eine viel einfachere Frage:
Wie viele Menschen haben durch diesen Menschen überhaupt erst angefangen?
YouTube hat die Art verändert, wie Wissen über Bonsai vermittelt wird. Früher waren Bücher, Vereine, Ausstellungen und persönliche Kontakte die wichtigsten Zugänge. Heute kann ein Anfänger am Abend auf dem Sofa sitzen und sich anschauen, wie ein Baum umgetopft, geschnitten oder gestaltet wird.
Holger Riegel nutzt genau dieses Medium.
Seine Stärke liegt dabei weniger darin, Bonsai als geheimnisvolle Kunst hinter möglichst vielen Fachbegriffen zu verstecken. Im Mittelpunkt steht vielmehr der praktische Zugang.
- Welche Bäume eignen sich?
- Welches Werkzeug braucht man wirklich?
- Wie geht man beim Umtopfen vor?
- Was kann aus einer Pflanze aus Gartencenter oder Baumschule werden?
- Wie erkennt man überhaupt das Potenzial eines Baumes?
Das sind Fragen, die Einsteiger tatsächlich haben.
Und genau dort beginnt Bonsai.
Nicht beim 800 Jahre alten japanischen Meisterbaum, sondern bei der Frage, ob der kleine Ahorn auf dem Balkon den nächsten Sommer überlebt.
Die vielleicht wichtigste Leistung: Bonsai zugänglich machen
Bonsai hat manchmal ein Imageproblem.
Für Außenstehende wirkt das Hobby schnell kompliziert. Fachbegriffe, japanische Stilrichtungen, unterschiedliche Schnitttechniken, Drahten, Substrate, Schalen, Wurzeln, Überwinterung – da kann einem als Anfänger schon beim Lesen der ersten Seite der Schweiß ausbrechen.
Dabei ist der Kern des Hobbys eigentlich erstaunlich einfach:
Du kümmerst dich um einen Baum. Du beobachtest ihn. Du lernst, was er braucht. Und du versuchst, seine Entwicklung sinnvoll zu begleiten.
Holger Riegel trägt dazu bei, diesen Zugang verständlicher zu machen.
Das ist auch der Grund, warum sein Wirken über einzelne Videos hinausgeht. Wer Bonsai populärer machen möchte, braucht nicht nur Fachwissen. Er muss Menschen erreichen, die bisher noch gar nicht wussten, dass dieses Hobby zu ihnen passen könnte.
Genau hier hat „my bonsai & koi“ eine Rolle eingenommen.
Nicht jeder Zuschauer wird später einen Yamadori aus einer schwierigen Bergregion gestalten. Das muss auch gar nicht das Ziel sein.
Vielleicht beginnt jemand mit einer Lärche aus der Baumschule.
Vielleicht mit einem Ficus.
Vielleicht mit einem Baum, der eigentlich gar nicht als Bonsai gedacht war.
Und vielleicht steht drei Jahre später tatsächlich ein kleiner Bonsai auf der Terrasse.
Mehr kann Vermittlung kaum erreichen.
„Bock auf Bonsai“ – aus Videos wird ein Buch
2024 kam der nächste große Schritt: „Bock auf Bonsai“.
Das Buch erschien am 17. Juni 2024 im Eulogia Verlag. Es umfasst 200 Seiten und trägt den Untertitel „Der einfache Start in die Faszination der kleinen Bäume – Bonsai aufziehen, pflegen und gestalten“. (Thalia)
Schon der Titel verrät, worum es geht.
Nicht „Die ultimative Wissenschaft des Bonsai“.
Nicht „Die 1000 Regeln erfolgreicher Gestaltung“.
Sondern: Bock auf Bonsai.
Und das passt ziemlich gut zu dem Ansatz, der auch seine Videos prägt.
Holger Riegel beschreibt das Buch selbst nicht als klassisches Lehrbuch. Vielmehr versteht er es als Erzählung, als Sammlung von Erfahrungen und Tipps und als möglichen Weg in das Hobby. (bockaufbonsai.eu)
Das ist ein wichtiger Unterschied.
Ein reines Nachschlagewerk beantwortet die Frage: „Wie mache ich X?“
Ein persönlicher Einstieg versucht zusätzlich zu beantworten: „Warum sollte ich überhaupt X machen?“
Gerade für Anfänger ist das entscheidend.
Was steht in „Bock auf Bonsai“?
Das Buch führt durch viele der Fragen, die am Anfang eines Bonsaiwegs auftauchen.
Es geht unter anderem um die Auswahl geeigneter Pflanzen, deren Beschaffung und die Anforderungen an Standort und Pflege. Dazu kommen Werkzeuge, Umtopfen, Wurzelschnitt, Rückschnitt, Gießen und erste Gestaltungstechniken. Auch das Erkennen von Potenzial und das Arbeiten mit Draht spielen eine Rolle.
Damit deckt das Buch genau die Bereiche ab, an denen viele Einsteiger zunächst hängen bleiben.
Nehmen wir das Werkzeug.
Wer gerade mit Bonsai anfängt, könnte problemlos ein kleines Vermögen für Zangen, Scheren, Draht und weiteres Zubehör ausgeben. Muss man aber wirklich?
Oder das Umtopfen.
Für einen Anfänger kann allein die Vorstellung, einen Baum aus seiner Schale zu nehmen und anschließend auch noch Wurzeln zu bearbeiten, ziemlich nervenaufreibend sein.
Oder die Gestaltung.
Woher soll man wissen, welcher Ast später wichtig wird?
Das sind keine theoretischen Fragen. Das sind die Momente, in denen aus einem interessierten Zuschauer ein echter Bonsaihalter wird.
Und genau an dieser Stelle setzt „Bock auf Bonsai“ an.
Warum das Buch tatsächlich das Zeug zum Standardwerk für Einsteiger hat
„Standardwerk“ ist ein großes Wort. Deshalb lohnt sich eine nüchterne Betrachtung.
Das Buch ist kein umfassendes botanisches oder wissenschaftliches Nachschlagewerk über sämtliche Aspekte der Bonsai-Kultur. Dafür ist der Ansatz auch gar nicht gedacht.
Seine Stärke liegt woanders.
„Bock auf Bonsai“ kann für Einsteiger zu einem Standardwerk werden, weil es die Schwelle zum Hobby niedrig hält.
Es erklärt nicht nur einzelne Arbeitsschritte, sondern verbindet diese mit der persönlichen Entwicklung des Autors.
Dazu kommt eine Besonderheit, die bei einem gedruckten Buch eher selten ist: Die Geschichte endet nicht auf der letzten Seite.
Die im Buch vorgestellten und begonnenen Projekte sollen über den YouTube-Kanal „my bonsai & koi“ weiter begleitet werden. Damit entsteht eine Verbindung zwischen Buch und Video.
Das ist clever – und für Bonsai besonders passend.
Denn ein Bonsai ist nach einem Arbeitsschritt nicht fertig.
Warum sollte es das Buch sein?
Heute liest du etwas über einen Rückschnitt. Morgen siehst du ein Video. Ein Jahr später kannst du nachvollziehen, wie sich der Baum entwickelt hat.
So wird aus einer Anleitung eine Entwicklungsgeschichte.
Und Entwicklung ist schließlich das eigentliche Thema des Bonsai.
Was macht Holger Riegel heute?
Heute steht bei Holger Riegel weiterhin die Verbindung aus Bonsai, Koi, Garten, YouTube und seinem Buchprojekt im Mittelpunkt.
Der Kanal „my bonsai & koi“ ist weiterhin aktiv und führt die Themen Bonsai und Koi zusammen. Zum aktuellen Kanalangebot gehören unter anderem Reihen wie „Bock auf BONSAI!“, „Bonsai History“, „quick Tipp!“ sowie Besuche und Beiträge rund um andere Bonsai- und Koi-Kanäle.
Auch „Bock auf Bonsai“ ist damit kein abgeschlossenes Projekt.
Das Buch und der YouTube-Kanal gehören zusammen.
Wer heute mit dem Buch einsteigt, kann anschließend online weiterlernen. Wer schon länger den Kanal verfolgt, bekommt mit dem Buch wiederum eine kompakte, greifbare Zusammenfassung dieses Weges.
Die offizielle Seite zu „Bock auf Bonsai“
Vom Anfänger zum Vermittler
Das vielleicht Spannendste an Holger Riegels Geschichte ist gar nicht die Frage, wie gut ein bestimmter Baum von ihm gestaltet wurde.
Spannender ist die Entwicklung seiner Rolle.
Aus einem Menschen, der Bonsai als neues Hobby entdeckt, wird jemand, der seinen Lernweg öffentlich dokumentiert.
Aus dem Zuschauer wird der Gestalter.
Aus dem Gestalter wird der Vermittler.
Und irgendwann steht ein Buch im Regal.
Das ist eine Entwicklung, die sehr gut zum Bonsai passt. Denn auch dort geht es selten um den großen Sprung. Es sind viele kleine Schritte.
Ein Ast wird geschnitten.
Ein neuer Trieb entsteht.
Eine Krone wird dichter.
Eine Wurzel wird beim nächsten Umtopfen besser verteilt.
Und irgendwann sieht man zurück und stellt fest: Aus dem kleinen Baum ist tatsächlich etwas geworden.
Holger Riegel ist deshalb mehr als ein Bonsai-YouTuber
Die Bezeichnung „Bonsai-YouTuber“ greift bei Holger Riegel inzwischen etwas kurz.
YouTube war der entscheidende Kanal, über den er viele Menschen erreicht hat. Aber daraus ist ein größeres Gesamtprojekt entstanden.
„my bonsai & koi“ steht für den laufenden Austausch und die praktische Begleitung.
„Bock auf Bonsai“ steht für den Versuch, den Einstieg in das Hobby dauerhaft in Buchform zugänglich zu machen.
Und dahinter steht eine persönliche Geschichte, die gerade deshalb interessant ist, weil sie nicht dem klassischen Bild des jahrzehntelang ausgebildeten Bonsai-Meisters entspricht.
Vielleicht ist genau das seine besondere Stärke.
Er zeigt, dass Bonsai nicht erst dann beginnen muss, wenn man alles weiß.
Man darf anfangen, obwohl man noch Fragen hat.
Man darf Fehler machen.
Man darf einen Baum falsch einschätzen.
Und man darf nach einigen Jahren feststellen, dass man immer noch längst nicht alles verstanden hat.
Eigentlich ist das ziemlich bonsaitypisch.
Was bleibt?
Holger Riegel hat die deutschsprachige Bonsaiszene nicht dadurch geprägt, dass er behauptet, den einen richtigen Weg zum Bonsai zu kennen.
Sein Beitrag liegt vielmehr darin, einen Weg sichtbar zu machen.
Einen Weg vom Interesse zur Leidenschaft. Vom ersten Baum zur eigenen Sammlung. Vom Zuschauer zum aktiven Gestalter.
Und vor allem einen Weg, den andere Menschen nachvollziehen können.
Wer heute überlegt, mit Bonsai anzufangen, braucht nicht zwingend einen perfekten Baum, ein Arsenal an Spezialwerkzeugen oder ein Regal voller Fachliteratur.
Manchmal reicht ein geeigneter Baum, ein bisschen Geduld und jemand, der zeigt, wie man die ersten Schritte macht.
Holger Riegel hat genau dafür eine große Reichweite aufgebaut.
Mit „my bonsai & koi“ hat er den Bonsaiweg über Jahre öffentlich begleitet. Mit „Bock auf Bonsai“ hat er diesen Weg zwischen zwei Buchdeckel gepackt. Und wenn sich das Buch bei Einsteigern tatsächlich immer stärker als Standardwerk etabliert, dann nicht, weil es möglichst kompliziert ist.
Sondern gerade deshalb, weil es Bonsai verständlich und greifbar macht.
Vielleicht ist das am Ende die wichtigste Botschaft aus seiner Geschichte:
Du musst kein Bonsai-Experte sein, um anzufangen.
Du musst nur anfangen, deinen Baum wirklich zu beobachten.
Der Rest kommt – wie beim Bonsai selbst – Schritt für Schritt.

Nachklapp: Alle Beiträge auf diesem Blog entstehen aus meinem eigenen Interesse an den jeweiligen Themen. Ich teile hier meine persönlichen Erkenntnisse und Erfahrungen, um dir hilfreiche Einblicke zu geben.
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