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Sondern mit einer viel wichtigeren Frage: In welcher Phase steckt dein Baum gerade?
Eine Fortsetzung zum „Das große Geheimnis von N-P-K beim Bonsai„
Kurze Szene. Sonntagmorgen. Kaffee. Bonsai-Regal.
Du schaust deine Bäume an. Und dann dieser Gedanke:
„Eigentlich müsste ich mal wieder düngen.“
Klingt vernünftig.
Also Dünger raus. Pellets drauf. Fertig.
… aber stopp.
Genau hier passiert der Denkfehler.
Denn die Frage ist nicht: Welchen Dünger nehme ich?
Die viel wichtigere Frage lautet: Für wen eigentlich?
Das ist kein Detail. Das ist die komplette Spielregel.
Und ehrlich gesagt:
Deutlich wichtiger als jede N-P-K-Zahl.
Ja. Provokant. Aber wahr.
Ein kleiner Perspektivwechsel
Stell dir vor, drei Leute sitzen am Tisch:
- Ein Teenager im Wachstum.
- Ein Marathonläufer.
- Und jemand im Bürojob.
Alle bekommen exakt gleich viel Essen.
Macht das Sinn?
Natürlich nicht.
Genau so fühlt sich „ein Dünger für alle Bäume“ an.
Und genau deshalb scheitern so viele an der Düngung.
Nicht wegen falscher Produkte.
Sondern wegen falscher Einschätzung.
Phase 1 – Der Rohling: Wachstum ist alles
Hier gibt’s keine Diskussion.
Der Baum soll:
- Stamm aufbauen
- Dicke zulegen
- Kraft sammeln
- Masse machen
Feinverzweigung? Egal.
Blattgröße? Später.
Perfekte Silhouette? Vergiss es.
Hier darf’s ruhig wuchern.
Also ja: viel Stickstoff ist völlig okay
7-6-6, 10-6-6, sogar stärker.
Jetzt willst du Tempo.
Schneiden? Klar.
Aber eher grob steuernd, nicht chirurgisch.
Das ist die „Fitnessstudio-Phase“.
Masse first.
Phase 2 – Der Prebonsai: Jetzt wird gelenkt
Hier wird’s spannend.
Der Stamm steht. Die Grundform ist da. Jetzt beginnt Gestaltung.
Und genau hier passieren die meisten Fehler.
Viele düngen weiter wie beim Rohling.
Viel N. Viel Wachstum. Viel Chaos.
Ergebnis?
Du schneidest mehr, als du gestaltest.
Kennst du das?
Gerade sauber aufgebaut. Zwei Wochen später wieder Besenfrisur.
Frust.
Hier brauchst du: kontrolliertes Wachstum
Also eher:
6-5-5 oder 5-5-5
Ruhiger. Berechenbarer.
Der Baum soll reagieren. Nicht explodieren.
Jetzt arbeitest du mit ihm. Nicht gegen ihn.
Phase 3 – Der fertige Bonsai: Feinarbeit
Jetzt geht’s um Details.
Millimeterarbeit.
Jeder lange Trieb stört sofort das Bild.
Hier ist zu viel Stickstoff dein Feind.
Wirklich.
Zu stark gedüngt und:
- Blätter werden größer
- Internodien länger
- Struktur gröber
Und dein fein aufgebauter Baum wirkt plötzlich wie ein Anfängerprojekt.
Schmerzhaft.
Also:
- moderat bis niedrig düngen
- ausgewogen oder leicht kaliumbetont
- Gesund halten, nicht pushen.
- Erhalten statt antreiben.
Und jetzt kommt der Punkt, den viele übersehen
Dünger und Rückschnitt gehören zusammen.
Immer.
Die beiden reden miteinander.
Wenn du stark düngst → starker Austrieb → mehr Schnitt nötig
Wenn du schwach düngst → ruhiger Wuchs → weniger Eingriffe
Das ist wie Gas und Bremse.
Beides gleichzeitig voll durchdrücken? Keine gute Idee.
Beispiel: Du schneidest hart zurück und gibst danach 10-10-10.
Was passiert? Explosion.
Der Baum schiebt wie verrückt.
Manchmal gewollt. Oft nicht.
Besser: Schnitt + moderates Futter = kontrollierter Neuaustrieb
Das fühlt sich viel entspannter an.
Der heimliche Klassiker: Zu viel des Guten
Jetzt ein Thema, über das kaum jemand spricht: Überdüngung.
Oder besser gesagt: Mangel durch Überfluss
Klingt widersprüchlich. Ist aber real.
Zu viel Salz im Substrat blockiert die Wurzeln.
Der Baum kann Nährstoffe nicht mehr richtig aufnehmen.
Und plötzlich sieht’s aus wie ein Mangel.
Gelbe Blätter. Schwaches Wachstum. Komische Flecken.
Viele reagieren dann mit mehr Dünger.
Autsch. Teufelskreis.
Manchmal wäre Wasser die bessere Lösung. Einfach durchspülen.
Weniger ist oft mehr.
Gerade im Bonsaitopf.
Die einfache Entscheidungsfrage vor jeder Düngung
Bevor du zur Packung greifst: Nicht auf die Zahlen schauen.
Sondern auf den Baum.
Frag dich:
- In welcher Phase steckt er gerade?
- Aufbau? → mehr Power
- Gestaltung? → moderat
- Feinarbeit? → zurückhaltend
Erst dann kommt N-P-K ins Spiel.
Nicht andersrum.
Wenn man’s runterbricht …
Dünger ist kein Zaubertrank. Er ist nur ein Verstärker.
Und du entscheidest, was verstärkt wird.
- Tempo oder Kontrolle.
- Masse oder Feinheit.
Genau da liegt die eigentliche Kunst.
Nicht im Produkt. Sondern im Timing.
Zum Schluss eine kleine Aufgabe für dich
Geh später mal zu deinen Bäumen.
Nicht alle gleich behandeln.
Schau jeden einzeln an.
Und frag dich ehrlich: „Bist du gerade im Fitnessstudio oder im Feinschliff?“
Die Antwort sagt dir sofort, wie du düngen solltest.
Ganz ohne Taschenrechner.
Welche Phase überwiegt bei dir aktuell – mehr Aufbau oder schon Feinarbeit?
Dann kann ich dir die Dünge-Strategie noch genauer zuschneiden.

Der Podcast zum Thema – eine Außensicht
Nachklapp: Alle Beiträge auf diesem Blog entstehen aus meinem eigenen Interesse an den jeweiligen Themen. Ich teile hier meine persönlichen Erkenntnisse und Erfahrungen, um dir hilfreiche Einblicke zu geben.
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