Der Birnengitterrost ist ein Rostpilz, der für seine Entwicklung zwei verschiedene Pflanzenarten braucht, nämlich einen Wacholder und eine Birne.
Stand: 2026-09-23
Was gemeint ist
Der deutsche Name kommt vom Bild an der Birne, wo die Verbreitungsorgane längs aufreißen und dadurch eine Gitterstruktur entsteht. Für den Bonsai zählt aber der Wacholder, denn er ist der Hauptwirt, in dessen Holz der Pilz über Jahre lebt.
Als Hauptwirtspflanzen gelten der Sadebaum, der Chinesische Wacholder, Pfitzers Wacholder und der Halbkugelige Wacholder. Ausdrücklich nicht befallen werden der heimische Gemeine Wacholder, der Kriechwacholder und der Schuppen-Wacholder.
Die Art allein entscheidet nicht, die Sorte auch
Nach langjährigen Untersuchungen sind Juniperus chinensis „Pfitzeriana“ und Juniperus sabina „Tamariscifolia“ stark anfällig, während bei Juniperus communis und verschiedenen Juniperus squamata kein Befall auftrat. Als nicht anfällig führt die zugrunde liegende Sortenliste auch einzelne Formen des Chinesischen Wacholders, darunter Kaizuka und die Sorte Plumosa Aurea, die früher Shimpaku hieß.
Wodurch ein Wacholder erkrankt
Angesteckt wird der Wacholder im Juli und August, wenn der Wind die Sporen von befallenen Birnblättern auf ihn trägt. Die Sporen keimen auf den Nadeln, und das Pilzgeflecht überdauert danach über Jahre in Trieben und Ästen. Gefährdet ist deshalb ein anfälliger Wacholder, in dessen Umgebung Birnen stehen. Auf längere Sicht sterben die befallenen Zweige ab, bei jungen Pflanzen eventuell die ganze Pflanze, und unter Bonsailiebhabern ist der Pilz wegen schmerzlicher Ausfälle gefürchtet.
Erkennbar ist der Befall an spindelartig verdickten Zweigabschnitten, auf denen im April und Mai nach wiederholtem Regen orangebraune, gallertartig aufgequollene Sporenlager erscheinen. Ein einmal befallener Wacholder bleibt zeitlebens Träger der Krankheit.
In der Praxis
- Die wichtigste Vorbeugung ist, einen der beiden Wirte zu entfernen, beim Wacholder mit Blick auf Art und Sorte.
- Wind und Insekten tragen die Sporen 500 Meter und mehr weit, weshalb der eigene Stellplatz nicht die Grenze des Geschehens ist.
- Anfällige Wacholderarten werden besser nicht nachgepflanzt, und andere Gehölze treten an ihre Stelle.
- Beim Kauf eines Wacholders braucht es fachliche Beratung, denn anfällige und unempfindliche Sorten kann ein Laie oft kaum unterscheiden.
- Befallene Zweige werden nicht in der Hoffnung auf Heilung herausgeschnitten, denn der Pilz sitzt tiefer im Holz, als zu erkennen ist, und nach starken Schnitten begrünt sich ein Wacholder nur sehr schwer.
Häufige Verwechslung
Die auffälligen orangefarbenen Blattflecken erscheinen an der Birne, weshalb der Schaden dort gesucht wird, wo er sichtbar ist. Am Wacholder als dem eigentlichen Dauerwirt zeigen sich Absterbeerscheinungen erst nach vielen Jahren.
Verwandte Begriffe
Quellen
- Pflanzenschutzamt Berlin, „Birnengitterrost / Wacholderrost“, Stand Januar 2025, abgerufen am 2026-09-23
- Thomas Lohrer, „Biologie und Bekämpfung des Birnengitterrostes“, LWF-Wissen 41, abgerufen am 2026-09-23
