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Gernot aka Bonsai-Treff aktualisiert.
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03.06.26 um 11:43 Uhr #42069
Gernot aka Bonsai-Treff
AdministratorFrage: Wir haben einen recht alten Rosmarinbusch im Garten. Einige Äste sind zwei-Finger dick und diese würde ich gerne als Bonsaigrundlage nutzen. Wie bekomme ich diese am besten geschnitten und dann zum Wurzeln – oder ist das eher aussichtslos?
Ich frage, weil der Busch offenbar einen deutlichen Rückschnitt braucht und dann wohl nicht viel von übrigen bleiben würde außer recht dünne Kopfstecklinge (die natürlich zu dünn sind, um direkt einen schönen Bonsaistamm abzugeben.)
Danke für eure Tipps!
Antwort: Das ist ein fantastisches Projekt! Alter Rosmarin (Salvia rosmarinus) hat oft eine wunderschöne, rissige Borke, die perfekt für den sogenannten „Literaten-Stil“ oder knorrige Bonsai-Formen geeignet ist.
Um dich direkt vor einer Enttäuschung zu bewahren, müssen wir die Sache allerdings in zwei Teile trennen: Zwei-Finger-dicke Stecklinge und der radikale Rückschnitt des Mutterbuschs.
Hier ist der ehrliche Fahrplan, wie du das Maximum aus der Aktion herausholst.Die harte Wahrheit: Wurzeln schlagen bei dicken Ästen?
Kurz gesagt: Als reiner Steckling ist das leider nahezu aussichtslos.
Rosmarin verholzt im Alter extrem stark. Während junge, grüne Kopfstecklinge im Wasserglas fast von alleine Wurzeln treiben, fehlt alten, dicken Ästen die nötige Zellaktivität (Kambium), um spontan neue Wurzeln zu bilden. Sie vertrocknen dir, bevor sie merken, was sie tun sollen.Die Rettung: Abmoosen (Air Layering)
Wenn du diese dicken Äste unbedingt als Bonsai-Basis nutzen willst, darfst du sie jetzt noch nicht abschneiden. Du musst sie bewurzeln, während sie noch am Mutterbusch hängen und von ihm versorgt werden. Juni ist dafür der perfekte Zeitpunkt!
So gehst du vor:
1. Der Ringschnitt: Wähle die Stelle am dicken Ast. Schneide mit einem scharfen Messer die Rinde kreisförmig ab. Der Ring sollte etwa 1,5-mal so breit sein wie der Ast dick ist. Entferne die Rinde und kratze das grüne Kambium darunter komplett ab, bis das blanke Holz zu sehen ist.
2. Hormone (optional): Bepudere den oberen Rand des Schnitts mit Bewurzelungspulver.
3. Das Moos-Paket: Weiche Sphagnum-Moos (Torfmoos) in Wasser ein, drücke es gut aus und packe es wie einen dicken Ball um die Schnittstelle.
4. Die Folie: Wickle Frischhaltefolie oder ein Stück Plastiktüte fest um das Moos, sodass ein geschlossenes „Bonbon“ entsteht. Oben und unten mit Draht oder Klebeband fixieren (oben etwas lockerer lassen, falls du nachgießen musst).Geduld ist gefragt: Es kann mehrere Monate dauern. Erst wenn du durch die Folie kräftige, weiße Wurzeln siehst, sägst du den Ast unterhalb des Moosballs ab und hast deinen perfekten Bonsai-Rohling mit fertigem Wurzelsystem.
Das Problem mit dem Rückschnitt des Mutterbuschs
Du schreibst, dass der Busch einen deutlichen Rückschnitt braucht. Hier lauert die zweite Stolperfalle des Rosmarins:
Wichtige Regel: Rosmarin treibt fast nie aus dem alten, kahlen Holz aus.
Wenn du die dicken Äste einfach radikal absägst und kein grünes Laub mehr an diesem Ast verbleibt, stirbt der Ast (oder die ganze Pflanze) mit hoher Wahrscheinlichkeit ab.
Die richtige Schnitt-Strategie:
- Niemals alles auf einmal: Schneide den Busch über zwei bis drei Jahre verteilt zurück.
- Immer das „Grün“ im Auge behalten: Kürze einen dicken Ast nur so weit, dass darunter noch mindestens ein paar vitale, grüne Triebe sitzen. Diese treiben dann neu aus. Sobald diese Triebe stark genug sind, kannst du im nächsten Jahr weiter zurückgehen.
Mein Tipp für das beste Bonsai-Ergebnis
Da das Abmoosen bei Rosmarin zwar funktioniert, aber knifflig ist, solltest du zweigleisig fahren:
1. Versuche das Abmoosen an 1-2 dicken Wunsch-Ästen, die beim Rückschnitt ohnehin weichen müssten.
2. Nutze die Kopfstecklinge: Schneide beim jetzigen Rückschnitt reichlich der dünnen, grünen Triebspitzen ab (ca. 10 cm lang). Steck sie in ein Sand-Erde-Gemisch. Sie wurzeln zu 90 %.
Warum? Rosmarin wächst unter guten Bedingungen (viel Sonne, kalkhaltige, magere Erde, Bonsaischale) erstaunlich schnell. Wenn du 3 bis 5 der dünnen Stecklinge eng zusammenpflanzt, fusionieren sie mit den Jahren zu einem dicken Stamm (Subukan-Stil). Zudem lernen Bonsai-Anfänger das Gestalten, Drahten und Schneiden meistens besser an jungen, flexiblen Pflanzen als an starrem, altem Holz. -
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