Glasieren der Schale

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    Beim Glasieren deiner Bonsai-Schale entscheidest du nicht nur über die Optik (ob glänzend, matt oder naturbelassen), sondern bereitest sie auch auf den alles entscheidenden Glattbrand (oder Steinzeugbrand) vor. Da Bonsai-Schalen später Wind und Wetter ausgesetzt sind, gibt es beim Glasieren ein paar ganz spezifische Regeln. Hier sind die wichtigsten Aspekte:

    Die Schale gründlich vorbereiten

    Bevor überhaupt ein Pinsel oder eine Glasur die Schale berührt, muss sie absolut sauber sein.

    Entstauben: Nach dem Schrühbrand haftet oft feiner Tonstaub an der Schale. Wenn du einfach drüber glasierst, haftet die Glasur nicht richtig und blättert im Ofen ab. Wische die Schale mit einem leicht feuchten Schwamm gründlich ab.

    Trocknen lassen: Lass die Schale danach kurz stehen, bis sie wieder komplett trocken aussieht, bevor du die Glasur aufträgst.

    Die goldene Bonsai-Regel: Keine Glasur auf der Unterseite!

    Das ist der wichtigste technische Aspekt überhaupt. Im zweiten Brand (bei 1200 °C bis 1300 °C) schmilzt die Glasur im Ofen zu flüssigem Glas. Wenn Glasur an den Stellen ist, die die Ofenplatte berühren, schmilzt die Schale untrennbar auf der Ofenplatte fest. Du ruinierst dir die Schale und die Ofenplatte.
    Unterseiten und Füßchen komplett freihalten: Die Standflächen der Füßchen und der komplette Schalenboden von außen müssen absolut frei von Glasur sein.
    Der Profilack-Trick: Nutze Wachsschub (flüssiges Wachs) oder einfaches Kerzenwachs. Bepinsle damit die Unterseite der Füßchen vor dem Glasieren. Das Wachs stößt die flüssige Glasur ab. Später im Ofen verbrennt das Wachs rückstandslos.

    Sicherheitshalber wischen: Wische nach dem Glasieren die Unterseiten der Füßchen trotzdem noch einmal mit einem feuchten Schwamm penibel sauber.

    Die Innenseite der Schale: Glasieren oder nicht?

    Hier scheiden sich bei Bonsai-Liebhabern die Geister, aber es gibt eine klare Tendenz:
    Die Innenseite bleibt meist unglasiert: Erstens sieht man sie später ohnehin nicht, weil Erde darauf liegt. Zweitens bietet die raue, unglasierte Tonoberfläche den feinen Bonsaiwurzeln besseren Halt.

    Der Kompromiss: Wenn du die Innenseite glasieren möchtest (z. B. damit sie leichter zu reinigen ist), glasiere nur das obere Drittel, das man eventuell sieht, und lass den Rest frei.

    Die richtige Glasurdicke treffen

    Das Auftragen erfordert etwas Fingerspitzengefühl. Da der geschrühte Ton sehr saugfähig ist, zieht er das Wasser aus der Glasur sofort auf, und sie trocknet in Sekundenschnelle auf der Oberfläche.

    Zu dick: Wenn die Glasurschicht zu dick ist, fängt sie im Ofen an zu „laufen“. Sie fließt die Schalenwand hinunter und tropft auf die Ofenplatte (oder verklebt die Füßchen). Zudem können sich unschöne Blasen bilden.

    Zu dünn: Die Farbe wirkt nach dem Brand blass, fleckig oder der Ton scheint unschön durch.
    Tipp für Bonsai-Schalen: Bonsai-Schalen werden oft mit Erdtönen, matten Grüntönen oder Blau glasiert. Matte Glasuren verzeihen Unregelmäßigkeiten beim Auftrag oft besser als hochglänzende.

    Passen Ton und Glasur zusammen? (WAK-Wert)

    Da du Steinzeugton verwendest, musst du zwingend auch Steinzeugglasuren kaufen, die für den Temperaturbereich von 1200 °C bis 1300 °C ausgelegt sind. Achte darauf, dass Ton und Glasur vom selben Hersteller stammen oder explizit füreinander freigegeben sind. Wenn sich Ton und Glasur beim Abkühlen unterschiedlich stark zusammenziehen (wegen des sogenannten Wärmeausdehnungskoeffizienten, kurz WAK), entstehen entweder feine Risse in der Glasur (Craquelé) oder die Glasur platzt in großen Stücken ab (Abplatzer). Für eine frostfeste Außenschale sind Glasurrisschen gefährlich, da dort wieder Wasser eindringen kann. Wenn die Schale fertig glasiert und unten blitzblank gewischt ist, kann sie komplett durchtrocknen und ist bereit für den großen Finalbrand!

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