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Warum dieses Buch für Bonsai-Freunde mehr ist als nur ein Update
Es gibt diese Bücher, die stehen nicht einfach im Regal. Sie liegen griffbereit. Leicht schief, mit Eselsohren, vielleicht ein paar Notizen am Rand. Bücher, die man nicht „durchliest“, sondern immer wieder aufschlägt. Genau in dieser Kategorie bewegt sich „Bonsai – Gestalten mit heimischen Gehölzen“ von Werner M. Busch und Achim R. Strecker – und mit der dritten, vollständig überarbeiteten und erweiterten Auflage ist klar: Dieses Werk hat sich endgültig als Referenz etabliert.
Die Frage, die im Raum steht, ist allerdings eine andere.
Braucht man die dritte Auflage wirklich?
Oder reicht die zweite, die ja ohnehin schon solide war?
Spoiler vorweg: Wer sich ernsthaft mit Bonsai beschäftigt – egal ob am Anfang oder seit Jahren dabei – kommt an dieser Ausgabe kaum vorbei.
Bonsai mit heimischen Gehölzen – warum dieses Thema so trifft
Beim Smalltalk auf Ausstellungen oder im Vereinsheim fällt der Satz immer wieder:
„Japanische Ahornsorten sind ja toll, aber irgendwie zieht es mich zu unseren Bäumen.“
Genau hier setzt dieses Buch seit der ersten Auflage an. Bonsai nicht als fernöstliche Kopie, sondern als lebendige Auseinandersetzung mit Gehölzen, die man kennt. Buche. Hainbuche. Eiche. Lärche. Arten, denen man beim Spaziergang begegnet. Bäume mit Geschichte, Charakter und Eigenheiten.
Das Buch nimmt diese Nähe ernst. Es erklärt nicht nur Techniken, sondern vermittelt ein Verständnis dafür, warum ein Baum so wächst, wie er reagiert und was ihn langfristig überzeugend macht. Keine Rezepte. Keine Abkürzungen. Sondern nachvollziehbare Zusammenhänge.
Ein Blick zurück: Erste und zweite Auflage als Fundament
Schon die erste Auflage aus 2013 hatte einen klaren Anspruch:
Ein Praxishandbuch für Einsteiger und Fortgeschrittene zu sein. Das klingt groß – war aber erstaunlich gut umgesetzt. Pflege, Gestaltungstechniken, Baumartenporträts, natürliche Wuchsformen, Blattgrößen, Borkenstrukturen. Alles sauber erklärt. Verständlich. Ohne unnötige Fachakrobatik.
Die zweite Auflage von 2018 hat dieses Fundament weiter verdichtet.
Mehr Baumarten. Neue Bilder. Klarere Darstellungen. An vielen Stellen genau das, was man sich beim Lesen der ersten Ausgabe gedacht hat: „Hier wäre ein zusätzliches Beispiel hilfreich.“
Und genau hier beginnt die Geschichte der dritten Auflage.
Die dritte Auflage: Kein Feinschliff – eine echte Weiterentwicklung
Die neue Ausgabe ist keine kosmetische Überarbeitung. Sie fühlt sich an wie ein Buch, das mit seiner Leserschaft mitgewachsen ist.
Schon im Vorwort wird klar, wo der Schwerpunkt liegt:
Ästhetik. Wahrnehmung. Verständnis für Gestaltung.
Das ist kein Zufall. Viele Bonsai-Freunde stehen irgendwann an diesem Punkt. Technisch läuft vieles rund, aber das Ergebnis wirkt noch nicht stimmig. Der Baum lebt, aber erzählt keine Geschichte. Genau dort setzt die dritte Auflage an – ohne belehrend zu sein.
Inhaltsverzeichnis (Auszug)
- Baumkunde
- Was ist ein Bonsai?
- Die Beschreibung von Gehölzen
- Habitus
- Knospe
- Blatt
- etc.
- Die Beschreibung von Gehölzen
- Was ist ein Bonsai?
- Ziele einer Bonsaigestaltung
- Wuchsformen und Stilarten
- Hoko-Dachi – Die Besenform
- etc.
- Wuchsformen und Stilarten
- Gestaltung
- Ästhetik und Bonsai
- Der Aufbau eines Bonsai
- Der Stamm
- Der Wurzelansatz
- etc.
- Der Aufbau eines Bonsai
- Ästhetische Grundsätze
- Regeln zur Bonsai-Ästhetik
- Dynamik, das Resultat vielen Faktoren
- Gestaltungstechniken
- Ästhetik und Bonsai
- Gehölzkunde
- Die heimischen Nadelgehölze
- Die heimischen Laubgehölze
- Krankheiten und Schädlinge
- Die Gehölze Japans
- Anhang
- Glossar der botanischen Fachbegriffe
- Glossar der japansichen Fachbegriffe
- Baumregister
- etc.
Ästhetik: Endlich Raum für das, was Bonsai wirklich ausmacht
Bereits in der zweiten Auflage wurde das Thema Ästhetik ausgebaut. Die dritte geht konsequent weiter. Mehr Bildmaterial. Mehr Vergleiche. Mehr visuelle Argumente.
Das wirkt ein bisschen wie ein gutes Gespräch unter Gleichgesinnten. Kein erhobener Zeigefinger. Eher ein:
„Schau mal hier – siehst du den Unterschied?“
Besonders spannend ist der erweiterte Blick auf japanische Baumarten. Nicht als Stilvorlage zum Kopieren, sondern als visuelles Trainingsmaterial. Linien. Proportionen. Kronenaufbau. Dinge, die sich hervorragend auf heimische Gehölze übertragen lassen.
Neue Baumarten – leise, aber wirkungsvoll
Wer genau hinschaut, merkt schnell: Die Auswahl der Baumarten spiegelt die Entwicklung der europäischen Bonsai-Szene wider. Arten, die vor Jahren noch Randerscheinungen waren, sind heute angekommen. Die dritte Auflage greift das auf.
Nicht inflationär. Nicht beliebig. Sondern dort, wo es Sinn ergibt. Jede neue Art fügt sich logisch ins Gesamtkonzept ein und erweitert den Werkzeugkasten – gerade für Gestalter, die bewusst abseits der Klassiker arbeiten wollen.
Bilder, Skizzen, Entwicklungsgeschichten – sichtbar besser
Ein Buch über Bonsai steht und fällt mit seinem Bildmaterial. Und hier legt die dritte Auflage spürbar nach.
Mehr Bilder. Klarere Skizzen. Austausch dort, wo ältere Darstellungen nicht mehr zeitgemäß wirkten. Besonders wertvoll sind die Entwicklungsgeschichten. Sie zeigen nicht den perfekten Endzustand, sondern den Weg dorthin. Mit Umwegen. Mit Entscheidungen. Mit Geduld.
Genau das, was man abends scrollend auf Social Media oft vermisst.
Struktur: Weniger Tabellen, mehr Orientierung
Eine Entscheidung sorgt zunächst für Stirnrunzeln:
Die Pflegetabelle ist verschwunden.
Auf den zweiten Blick wird klar, warum. Tabellen suggerieren Kontrolle. Bonsai lebt von Beobachtung. Stattdessen gibt es jetzt ein deutlich benutzerfreundlicheres Baumregister. Schneller Zugriff. Klarer Aufbau. Weniger Blättern, mehr Finden.
Im Alltag ein echter Gewinn.
Für wen ist die dritte Auflage gedacht?
Kurz gesagt: Für alle, die mehr wollen als Basiswissen.
- Einsteiger finden weiterhin einen sicheren Einstieg ohne Überforderung.
- Fortgeschrittene entdecken neue Blickwinkel, gerade im Bereich Gestaltung und Ästhetik.
- Erfahrene Gestalter bekommen frisches Bildmaterial und neue Vergleichsmöglichkeiten.
Und ja – auch wer die zweite Auflage besitzt, wird hier nicht das Gefühl haben, ein bekanntes Buch noch einmal zu lesen. Die Unterschiede sind spürbar. Inhaltlich. Visuell. Konzeptionell.
Der eigentliche Mehrwert: Haltung statt Rezepte
Was dieses Buch besonders macht, ist nicht eine einzelne Neuerung. Es ist die Haltung dahinter. Bonsai wird nicht als Technik verstanden, sondern als langfristige Auseinandersetzung mit einem lebenden Organismus.
Das merkt man auf jeder Seite. In der Sprache. In der Auswahl der Beispiele. In der Art, wie Fehler nicht ausgeblendet, sondern eingeordnet werden.
Ein Buch, das nicht sagt: „So musst du es machen.“
Sondern eher: „Wenn du verstehst, warum – findest du deinen eigenen Weg.“
Lohnt sich der Kauf der dritten Auflage?
Die ehrliche Antwort:
Ja – wenn Bonsai für dich mehr ist als ein gelegentliches Hobby.
Wer nur nach schnellen Pflegeinfos sucht, wird anderswo fündig. Wer jedoch tiefer einsteigen will, wer Gestaltung bewusst entwickeln möchte und Freude an fundierter, praxisnaher Information hat, bekommt hier ein Buch, das lange begleitet.
Nicht als Dogma. Sondern als Gesprächspartner.
Zum Schluss – eine Frage an dich
Wann hast du zuletzt ein Bonsai-Buch aufgeschlagen, nicht weil du etwas musstest, sondern weil du neugierig warst?
Welche Baumart begleitet dich aktuell – und wo hakt es noch?
Und ganz ehrlich: Wie viele deiner Bücher sind wirklich Arbeitsbücher geworden?
Der Austausch darüber beginnt oft genau hier.

Der Podcast – Die Außensicht zum Blog
Nachklapp: Alle Beiträge auf diesem Blog entstehen aus meinem eigenen Interesse an den jeweiligen Themen. Ich teile hier meine persönlichen Erkenntnisse und Erfahrungen, um dir hilfreiche Einblicke zu geben.
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