Jin und Shari sind abgestorbene, entrindete Holzflächen am Bonsai, die am Baum stehen bleiben und zur Gestalt gehören.
シャリ・ジン · shari jin · auch 神, 舎利
Stand: 2026-09-24
Was gemeint ist
Beide zusammen bezeichnen den verholzten Teil von Stamm oder Ast, der verwest und weiß verknöchert ist. Das kommt häufig bei Nadelgehölzen vor und gilt besonders beim Chinesischen Wacholder und beim Nadelwacholder als einer der Betrachtungspunkte. Das Können an Jin und Shari ändert die Bewertung eines Baumes oft erheblich.
Im Allgemeinen heißt abgestorbenes Astholz Jin und abgestorbenes Stammholz Shari. Diese Trennung ist ein Sprachgebrauch, keine feste Bestimmung. Manche japanische Quellen ziehen die Grenze enger und nennen nur das abgestorbene Holz an der Astspitze Jin und einen abgestorbenen Teil des Stammes Shari. Jin ist dann über die Stelle bestimmt, Shari über den Vorgang des Absterbens.
Jin und Shari entstehen auch natürlich. Bei betagten Kiefern und Wacholdern stirbt bisweilen ein Teil von Stamm oder Ast ab, und die Form bleibt so stehen. Solche Stämme zeigen eine weiße Haut und bilden einen schönen Kontrast zum grünen Laub. In der Natur entsteht Totholz durch Wind, Blitz oder Dürre.
Das Anlegen gilt als hochentwickelte Technik für immergrüne Nadelgehölze, mit der das Bild eines Baumes dargestellt wird, der Wind, Schnee und Blitz ausgesetzt war. Dazu wird die Rinde mit einer besonderen Zange, einem Messer und Schleifpapier entfernt. Angelegt wird Totholz fast nur an immergrünen Gehölzen, vor allem an Nadelgehölzen, deren Holz dem Verrotten widersteht. An Laubgehölzen verrottet Totholz oft mit der Zeit und wirkt unnatürlich.
Die abschließende Behandlung heißt in der Fachsprache das Schminken von Jin und Shari, ein Schutzzweck ist damit nicht verbunden. In der Technikbeschreibung für Besucher gilt dasselbe Mittel dagegen als Konservierungsmittel, das die Fäulnis verhindert.
Der lebende Teil daneben heißt Wasserader. Bei Arten mit Jin und Shari ist sie der eigentliche Stammteil, der Wasser hinaufzieht, während Jin und Shari die abgestorbenen Teile sind. Beispiele sind Chinesischer Wacholder, Nadelwacholder und Eibe.
Warum Totholz sich von selbst ausbreitet
Stirbt ein starker Ast nach einem Schnitt oder einer Schädigung ab, stirbt das Holz von dieser Stelle aus senkrecht nach unten weiter ab. Die Wasserader ist unterbrochen, der Zug nach oben hört auf, und die unmittelbar darunter liegende Wasserader trocknet aus. Manche Arten sind dafür anfälliger als andere.
Bleibt unmittelbar unter der Schnittstelle ein Ast stehen, zieht dieser weiter Wasser, und das Zurücksterben unterbleibt. Ein solcher Ast heißt Ast, der das Zurücksterben aufhält.
In der Praxis
- Neues Totholz wird im zeitigen Frühjahr oder im Spätsommer angelegt, weil der Baum die dabei entstehenden Wunden dann rasch schließt.
- Bei einem rundstämmigen Baum wird vorher angezeichnet, wo das Shari liegen soll.
- Die Rinde lässt sich leichter abziehen, wenn der Baum Wasser zieht. Das Holz selbst wird dagegen im Winter geschnitzt, am Chinesischen Wacholder ebenso wie am Nadelwacholder.
- Grob geschnitzt wird mit Stemmeisen und Messer, danach wird mit Papier nachgeschliffen und aufpoliert.
- Zum Abschluss wird unverdünnter Schwefelkalk aufgepinselt, und wer die Fläche weiß haben will, mischt weiße Farbe hinzu.
Häufige Verwechslung
Das Weiß stammt nach einer Deutung vom Alter des abgestorbenen Holzes. Nach einer anderen entsteht es durch Verwesen und Verknöchern. Die Behandlung gilt in keiner der beiden als Ursache. Andere Anleitungen bleichen Totholz dagegen ausdrücklich mit Schwefelkalk.
Verwandte Begriffe
Quellen
- 近代出版, 盆栽用語集, Eintrag しゃり・じん【シャリ・ジン】 und die genannten Nachbareinträge, abgerufen am 2026-09-24
- さいたま市大宮盆栽美術館, Seite 盆栽の見方, abgerufen am 2026-09-24
- 観光庁, 地域観光資源の多言語解説文データベース, „盆栽の技術“ (R1-01362), erstellt 2019, abgerufen am 2026-09-24
- 近代出版, 今月の作業・管理レシピ, Seiten 12月〜1月 und 1月〜2月, abgerufen am 2026-09-24
- Bonsai Empire, „Deadwood on Bonsai (Jin, Shari and Uro)“, abgerufen am 2026-09-25
