Ein Steckling ist ein abgetrennter Pflanzenteil, der in Substrat gesteckt wird und dort eigene Wurzeln bildet.
Stand: 2026-09-23
Dieser Eintrag gibt Normtext wieder und ersetzt keine Rechtsberatung. Zuständig ist das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.
Was gemeint ist
Der Vorgang ist eine Art der Vermehrung, bei der ein Teil des Pflanzenkörpers aus Zweig, Blatt oder Wurzel gesteckt, zum Bewurzeln gebracht und so ein eigenständiges neues Individuum erzeugt wird. Der gesteckte Teil heißt auf Japanisch Sashiho, das Substrat Sashidoko.
Die Bildung von Adventivwurzeln ist dabei ein Regenerationsvorgang nach dem Abtrennen von der Mutterpflanze.
Kallus und Wurzeln
Der Kallus entwickelt sich in der Regel aus dem Kambium, und dieses Wundgewebe kann zonenweise Wurzelanlagen ausbilden. Die Wurzelbildung aus dem Kallusgewebe ist jedoch ausdrücklich eine Ausnahme. Starke Kallusbildung kann das Auswachsen der Wurzelanlagen sogar behindern, denn beides sind konkurrierende Vorgänge. Ein dicker Kalluswulst am Stecklingsfuß ist deshalb kein Erfolgszeichen.
In der Praxis
- Der Steckling übernimmt die Eigenschaften des Mutterbaums und eignet sich deshalb für sortenmäßig wertvolle Pflanzen und für solche, bei denen die Aussaat starke Abweichungen erzeugt.
- Für Arten, die sich schwer bewurzeln lassen, führt das Abmoosen weiter, weil der Trieb dabei an der Mutterpflanze bleibt.
- Ein Mittel, das die Lebensvorgänge von Pflanzen beeinflusst, ohne Nährstoff oder Pflanzen-Biostimulans zu sein, fällt rechtlich unter die Pflanzenschutzmittel. Es darf nur in Verkehr gebracht oder verwendet werden, wenn es im betreffenden Mitgliedstaat zugelassen wurde. Zulassungsbehörde ist in Deutschland das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, das den Wirkstoff getrennt vom Handelsprodukt bewertet.
Häufige Verwechslung
Beim Abmoosen wird der Stamm abgetragen, um die Nährstoffbahn zu unterbrechen und die Bewurzelung am Holzkörper zu erzwingen, und erst danach wird unterhalb der Wurzeln abgetrennt. Der Steckling wird dagegen zuerst abgetrennt und bewurzelt danach.
Die Aussaat liefert einen guten Wurzelansatz, doch bleiben die Eigenschaften wegen der Sämlingsvariation unbeständig. Diese Unbeständigkeit fehlt dem Steckling.
Verwandte Begriffe
Quellen
- 近代出版, 盆栽用語集, Einträge さしき【挿し木】, とりき【取り木】 und みしょう【実生】, abgerufen am 2026-09-23
- Rita Anita Litauszky, Dissertation, Landwirtschaftlich-Gärtnerische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin, 1999, Abschnitt 1.2.1, abgerufen am 2026-09-23
- Verordnung (EG) Nr. 1107/2009, konsolidierte Fassung 02009R1107 — DE — 16.06.2026 — 009.001, Artikel 28 Absatz 1 und Artikel 2 Absatz 1 Buchstabe b, abgerufen am 2026-09-23
- Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, „FAQ zur Zulassung von Pflanzenschutzmitteln“, abgerufen am 2026-09-23
