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Gernot aka Bonsai-Treff aktualisiert.
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29.08.26 um 20:10 Uhr #43048
Gernot aka Bonsai-Treff
AdministratorIm Bonsai-Kontext bezeichnet Tanuki eine Technik, bei der ein lebender Jungbaum fest auf ein Stück ansprechend geformtes Totholz montiert wird, um das Aussehen eines imposanten, jahrhundertealten Baumes mit großem Totholz-Anteil (Jin und Shari) zu simulieren.
Der Name leitet sich vom japanischen Tanuki (dem Marderhund) ab. In der japanischen Folklore ist der Tanuki ein magischer Gestaltwandler und Schalck, der Menschen durch Illusionen hinters Licht führt. Die Bezeichnung ist also eine humorvolle Anspielung darauf, dass bei dieser Technik geschummelt bzw. „getäuscht“ wird.
### Die wichtigsten Merkmale der Tanuki-Technik
- Täuschung / Fälschung: Es handelt sich nicht um einen echten, alt gewordenen Bonsai, sondern um eine Kombination aus zwei verschiedenen Elementen (totes Holz + junge Pflanze).
- Alternative Bezeichnung: Im englischen Sprachraum wird diese Technik oft elegant als Phönix-Bonsai bezeichnet, da aus dem toten Holz symbolisch neues Leben erwächst.
- Häufigste Holz- & Baumart: Fast immer wird dafür ein stark verdrehter Totholz-Stamm einer Konifere mit einem lebenden Wacholder (Juniperus) kombiniert, da dessen Rinde und Totholz optisch ideal zusammenpassen.
- Ansehen unter Bonsai-Künstlern: Tanuki gilt im traditionellen Bonsai-Handwerk oft als „Schummelei“, wird aber als handwerkliche Methode und Gestaltungstechnik geschätzt, um ohne jahrzehntelange Wartezeit eindrucksvolle Solitärbäume zu kreieren.
### Wichtige Schritte bei der Vorbereitung des Totholzes:
- Rinde vollständig schälen: Entferne die gesamte Rinde sowie das darunterliegende Kambium/Bast gründlich (z. B. mit Drahtbürsten oder Schnitzwerkzeugen).
- Fräsen / Nut ausarbeiten: Fräse eine ausreichend tiefe und breite Rille für den Stamm des lebenden Baumes.
- Holz konservieren: Behandle das gesamte Totholz gründlich mit Jin-Mittel (Schwefelkalk-Lösung). Dies konserviert das Holz gegen Verrottung und verleiht ihm die typische, silbrig-weiße Patina.
Dafür gibt es dafür wesentliche fachliche Gründe:
Verrottungsschutz: Unter der Rinde sammelt sich Feuchtigkeit, was zu Schimmel, Pilzbefall und schnellem Verrotten führt. Das tote Holz muss trocken, sauber und widerstandsfähig gemacht werden.
Optische Täuschung (Jin / Shari): Das Ziel von Tanuki ist es, den Eindruck eines altgedienten Baumes mit natürlichem Totholz (Jin für Äste, Shari für den Stamm) zu erzeugen. Natürliches Totholz in der Natur verliert über die Zeit durch Witterung stets seine Rinde.
Anpassung der Nut: Um den lebenden Jungbaum (meist ein Wacholder) im toten Holz zu versenken, wird eine vertiefte Rille eingefräst. Ohne Rinde lässt sich das Holz präziser bearbeiten.
Das Einpassen und Fixieren des lebenden Baumes ist der entscheidende Schritt für eine nahtlose Optik. Am besten eignet sich ein biegsamer, junger Wacholder (Juniperus).
### Benötigtes Material
- Edelstahl- oder Messingschrauben (Rostfrei) mit passenden Unterlegscheiben
- Aluminium- oder Kupferdraht
- Wundverschlussmittel / Bonsai-Knete
- Akkuschrauber und feiner Holzbohrer
### Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Befestigung
- Nut vorbereiten und auspolstern
Die eingefräste Rille muss etwas breiter und tiefer sein als der aktuelle Stamm des Jungbaumes, damit dieser beim Wachsen nicht herausgedrückt wird. Bestreiche die Rille mit etwas Wundverschlussmittel, um das Holz zusätzlich vor Feuchtigkeit zu schützen. - Baum ausrichten und einlegen
Lege den Stamm des Jungbaumes schmiegsam von unten nach oben in die Nut. Achte darauf, dass die Wurzeln am unteren Ende sauber in das Pflanzgefäß geleitet werden können und die Äste an den gewünschten Stellen aus dem Totholz heraustreten. - Befestigungspunkte festlegen
Bohre an den Stellen, an denen der Stamm fixiert werden soll, kleine Löcher in das Totholz. Es gibt zwei bewährte Methoden zur Fixierung:
- Methode A (Direkte Verschraubung): Bohre vorsichtig durch den Stamm des Jungbaumes in das Totholz vor und drehe eine dünne Edelstahlschraube mit Unterlegscheibe ein. Das klingt rabiat, fügt dem Baum aber kaum Schaden zu. Der Stamm wächst im Laufe der Jahre über den Schraubenkopf hinweg.
- Methode B (Draht-Fixierung): Bohre zwei kleine Löcher links und rechts neben der Nut durch das Totholz, führe Draht hindurch und verdrille diesen über dem Stamm. Lege stets ein Stück Kunststoff oder Schlauch unter den Draht, damit er nicht in die lebende Rinde einschneidet.
4. Knospen und Äste freistellen
Achte beim Festziehen darauf, dass keine wichtigen Knospen oder Seitenäste unter dem Draht oder in der Nut eingeklemmt werden.
5. Einpflanzen und Nachbearbeitung
Pflanze die Kombination aus Totholz und lebendem Baum fest in die Bonsaischale oder einen Trainingstopf. Lass den Baum in den folgenden zwei bis drei Jahren kräftig wachsen – durch den Dickenwachstum presst sich der Stamm fest in die Nut und verwächst optisch vollkommen mit dem Totholz.Möchtest du Tipps dazu, wie man das Dickenwachstum beschleunigt, damit die Nahtstelle schneller unsichtbar wird?
Um das Dickenwachstum des Jungbaumes drastisch zu beschleunigen und die Vertiefung im Totholz schnell und nahtlos auszufüllen, helfen folgende Kulturmaßnahmen:
- Großes Pflanzgefäß wählen: Setze die Tanuki-Kombination nicht sofort in eine flache Bonsaischale, sondern für 2–4 Jahre in eine große Trainingskiste, einen Kunststoff-Cottontopf oder ins Freiland. Viel Wurzelraum führt direkt zu starkem Stammwachstum.
- Opferäste (Escape Branches) wachsen lassen: Das ist das effektivste Werkzeug. Lass 1–2 starke, tief sitzende Seitenäste vollkommen ungeschnitten lang austreiben. Je mehr Laub und Holz sich an diesen Ästen bildet, desto mehr Nährstoffe fließen durch den Hauptstamm – die Verdickung beschleunigt sich um das Vielfache. Sobald der Stamm die Rille ausfüllt, werden diese Opferäste komplett abgeschnitten.
- Kein Pinzieren / Rückschnitt des Haupttriebs: Schneide die Krone und den Haupttrieb während der Aufbauphase nicht zurück. Erst wenn der Stamm die gewünschte Dicke erreicht hat, beginnt der Gestaltungsschnitt der Feinstruktur.
- Konsequente Düngung: Dünge in der Wachstumsphase (Frühjahr bis Herbst) reichlich mit organischem Dünger (z. B. Biogold) oder einem stickstoffbetonten Flüssigdünger, sobald der Baum nach dem Einsetzen gut eingewurzelt ist.
- Draht rechtzeitig kontrollieren: Da der Stamm bei diesem Verfahren extrem schnell an Umfang zulegt, musst du Fixierungsdrähte regelmäßig prüfen. Sobald sie anfangen einzuwachsen, müssen sie vorsichtig entfernt oder erneuert werden.
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