Techniken

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    Es gibt völlig unterschiedliche Wege vor, wie du gestalterisch an die Sache herangehen kannst. Alle Techniken haben in der Bonsai-Welt ihre ganz eigene Berechtigung und führen zu völlig verschiedenen Stilen.

    Hier ist die Übersicht, welche Bonsai-Schalen-Stile du mit welcher Technik am besten umsetzen kannst und worauf du dabei achten musst:

    Die Plattentechnik (Aufbautechnik)

    Die Plattentechnik ist der absolute Königsweg für traditionelle Bonsai-Schalen. Fast alle klassischen, hochwertigen Schalen im japanischen oder chinesischen Stil werden so hergestellt.

    Typische Stile mit dieser Technik:

    Klassisch eckig (Rechteckig / Quadratisch): Das ist die typischste Form für maskuline Bäume (Nadelbäume). Du schneidest Boden und Wände aus perfekt ausgerollten Tonplatten zu und fügst sie im lederharten Zustand zusammen.

    Hexagonal / Oktogonal (Sechseckig / Achteckig): Sehr elegante Formen, die oft für halbe Kaskaden oder markante Laubbäume genutzt werden.

    Moderne Freiformen: Du kannst Schalen mit geschwungenen, asymmetrischen Wänden bauen, indem du die Platten über eine zuvor hergestellte Form (z. B. aus Gips oder Styropor) legst.

    Wichtige Kniffe für Bonsai-Schalen aus Platten:

    Das Verzugs-Risiko: Lange, flache Wände und Böden neigen extrem dazu, sich beim Trocknen und Brennen zu verziehen. Die Ecken biegen sich gerne nach oben.

    Die Rettung: Nutze unbedingt eine Schablone beim Zuschnitt. Ritze die Kanten, die du verbindest, extrem tief ein und verwende reichlich Tonschlicker. Um Verzug zu minimieren, lege beim Trocknen ein leichtes Gewicht (z. B. ein kleines, in Folie gewickeltes Brettchen) flach auf den Schalenboden.

    Verstärkung: Lege in die Innenecken eine dünne Tonwulst und verstreiche sie gut, um die Nahtstellen stabil gegen den späteren Druck der Wurzeln zu machen.

    Die Drehscheibentechnik (Runddrehen)

    Das Drehen auf der Scheibe ist extrem dynamisch und eignet sich hervorragend für fließende, harmonische Formen. Da du auf der Scheibe immer rotationssymmetrisch arbeitest, bist du hier automatisch auf runde Formen festgelegt.

    Typische Stile mit dieser Technik:

    Klassisch Rund (Trommel-Schalen): Ein absoluter Favorit für Laubbäume oder Bonsai im Literaten-Stil (sehr schlanke, elegante Bäume). Typisch sind hier „Nieten“ oder kleine Tonpunkte, die man nach dem Drehen am Rand anbringt, sodass die Schale wie eine traditionelle Trommel aussieht.

    Tiefe Kaskaden-Schalen: Runde, becherförmige Schalen für Bäume, deren Krone weit unter den Schalenrand herabhängt.

    Flache Schalen (SUIBAN / Wald-Schalen): Extrem flache, fast tellerartige Schalen, die oft für Gruppenpflanzungen (Wälder) genutzt werden.

    Wichtige Kniffe für gedrehte Bonsai-Schalen:

    Der Boden ist der Knackpunkt: Bonsai-Schalen brauchen einen flachen, stabilen Boden. Wenn du auf der Scheibe drehst, neigt man oft dazu, den Boden zu dünn zu machen oder eine Wölbung hineinzudrehen. Lass den Boden absichtlich etwas dicker (mindestens 1 bis 1,5 cm).

    Das Abdrehen (Trimmen): Sobald die Schale lederhart ist, drehst du sie um und setzt sie erneut auf die Scheibe. Jetzt drehst du den Boden von außen perfekt flach ab und arbeitest eine klare Kante oder Aussparung für die Füßchen heraus.

    Verformen nach dem Drehen: Du kannst eine Schale rund drehen und sie, solange sie noch weich ist, vorsichtig in eine ovale Form drücken. Das bricht die perfekte Symmetrie auf und erzeugt wunderschöne, sanfte Linien.

    er gestalterischer Freiheit und organischer Textur schlägt.

    Während du bei der Drehscheibe an runde Formen gebunden bist und bei der Plattentechnik oft sehr starre, geometrische Wände erzeugst, erlaubt dir die Wulsttechnik jede nur erdenkliche Freiform.

    Wulsttechnik (oft auch als Aufbau- oder Schnurentechnik bezeichnet)

    ist die älteste und urwüchsigste Methode des Töpferns. In der Bonsai-Welt nimmt sie einen ganz besonderen Platz ein, weil sie die perfekte Brücke zwischen absoluter gestalterischer Freiheit und organischer Textur schlägt.

    Während du bei der Drehscheibe an runde Formen gebunden bist und bei der Plattentechnik oft sehr starre, geometrische Wände erzeugst, erlaubt dir die Wulsttechnik jede nur erdenkliche Freiform.

    So funktioniert die Wulsttechnik bei Bonsai-Schalen

    Das Prinzip ist einfach, erfordert aber Geduld: Du baust die Schale Schicht für Schicht aus Tonwürsten auf.

    1. Die Basis legen

    Zuerst rollst du eine Tonplatte für den Schalenboden aus (ca. 1 bis 1,5 cm dick) und schneidest die gewünschte Grundform aus – egal ob rund, oval, quadratisch oder eine völlig freie, geschwungene Nierenform.

    2. Die Wülste rollen

    Du nimmst Tonstücke und rollst sie mit den Handflächen auf dem Tisch zu gleichmäßig dicken Würsten (ca. so dick wie ein Daumen oder Zeigefinger). Wichtig ist, dass keine Luftblasen im Inneren eingeschlossen werden.

    3. Schicht für Schicht aufbauen

    Die erste Wulst wird auf den Rand der Bodenplatte gesetzt.

    Das A und O:** Die Kontaktstellen müssen aufgeraut und mit reichlich Tonschlicker bestrichen werden.
    * Danach verstreichst du das Material der Wulst mit dem Daumen oder einem Holzwerkzeug nach unten, sodass sie untrennbar mit dem Boden verschmilzt. Das machst du sowohl auf der Innenseite als auch auf der Außenseite.
    * So setzt du Wulst auf Wulst, bis die gewünschte Höhe erreicht ist.

    Typische Bonsai-Stile mit der Wulsttechnik

    Mit dieser Technik lassen sich Stile kreieren, die mit den anderen beiden Methoden kaum oder nur sehr schwer machbar sind:

    1. Der Nanban-Stil & Wabi-Sabi

    Wie weiter oben schon kurz erwähnt, ist das der unangefochtene Einsatzbereich für die Wulsttechnik. Wenn du die Würste beim Verstreichen außen nicht komplett glatt ziehst, sondern die Struktur der Finger und Werkzeuge absichtlich sichtbar lässt, entsteht eine unregelmäßige, lebendige Oberfläche. Das passt fantastisch zu alten, charakterstarken Bäumen mit borkiger Rinde (z.B. alten Wacholdern oder Kiefern).

    2. Große Freiformen und „Lotus-Schalen“

    Bonsai-Schalen im Lotus-Stil haben geschwungene Ränder, die an die Blütenblätter einer Lotusblume erinnern. Mit Wülsten kannst du die Wand im Verlauf des Aufbaus ganz elegant und fließend nach außen wandern lassen (indem du die Wülste jeweils minimal weiter außen ansetzt) oder den Rand wellenförmig modellieren.

    3. Fels- und Kurama-Schalen

    Du möchtest eine Schale, die aussieht wie ein erodierter Naturstein? Mit der Wulsttechnik kannst du die Wand ungleichmäßig dick gestalten, Ausbuchtungen einbauen und die Außenseite später mit einer Drahtbürste oder einem echten Stein so bearbeiten, dass sie wie rauer Fels wirkt.

    Die wichtigsten Kniffe für Bonsai-Schalen aus Wülsten

    Die Stabilität kontrollieren:

    Wenn du eine tiefere Schale baust (z. B. für eine Kaskade), wird der Ton durch das Eigengewicht weich und fängt an zu sacken, wenn du zu viele Wülste auf einmal nacheinander aufsetzt.

    Der Trick: Baue 2 bis 3 Schichten auf, lass die Schale ein paar Stunden anziehen (bis sie etwas stabiler, aber noch feucht genug für die nächste Schicht ist) und arbeite dann erst weiter.

    Keine Luft einschließen:

    Beim Verstreichen der Wülste musst du penibel darauf achten, dass keine Hohlräume zwischen den Schichten entstehen. Eingeschlossene Luft dehnt sich im Schrühbrand aus und sprengt deine Schale.

    Gleichmäßige Wandstärke:

    Auch wenn die Schale rustikal werden soll, sollten die Wände von unten nach oben hin gleichmäßig dick sein (bzw. nach oben hin ganz leicht dünner werden), um Trocknungsrisse zu vermeiden.

    Die Wulsttechnik ist entschleunigend und perfekt für dich, wenn du Schalen mit einer sehr natürlichen, organischen und individuellen Note erschaffen willst. Wenn du die Schale am Ende innen und außen perfekt glatt streichst, sieht man ihr die Technik übrigens gar nicht mehr an – sie ist also extrem vielseitig!

    Fazit für deinen Start

    Wenn du die Plattentechnik wählst, arbeitest du eher architektonisch, präzise und konstruierend. Das eignet sich perfekt für die klassischen, strengen Rechteckformen.

    Wenn du dich an die Drehscheibe setzt, arbeitest du organischer und fließender. Für den Anfang auf der Scheibe ist eine mitteltiefe, runde Schale, die du nach dem Trocknen mit drei eleganten Füßchen versiehst, ein absolut lohnendes und wunderschönes Projekt!

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