Der zweite Brand (Hochbrand)

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    Der zweite Brand – oft HochbrandGlattbrand oder Steinzeugbrand genannt – ist das große Finale. Hier wird deine Bonsai-Schale bei Temperaturen zwischen 1200 °C und 1300 °C endgültig zu dem frostfesten, steinharten Gefäß, das Jahrzehnte überdauern kann. Da der Ton bei diesen extremen Temperaturen seine physikalischen Eigenschaften noch einmal dramatisch verändert und die Glasur flüssig wird, gibt es hier ganz andere Dinge zu beachten als beim ersten Brand. Hier sind die wichtigsten Aspekte für den Hochbrand:

    1. Die Sintergrenze erreichen (Frostfestigkeit)

    Das Hauptziel beim Hochbrand einer Bonsai-Schale ist das Sintern. Bei Temperaturen ab ca. 1150 °C (je nach Tonsorte) schmilzt der Ton im Inneren ganz leicht an. Die verbliebenen Poren im Ton schließen sich völlig und die Masse verdichtet sich extrem.

    • Der Aspekt: Du musst die Endtemperatur exakt auf deinen Ton abstimmen. Brennst du zu niedrig (z. B. nur bei 1100 °C, obwohl der Ton bis 1250 °C ausgelegt ist), sintert er nicht. Die Schale bleibt porös, nimmt Wasser auf und ist nicht frostfest.
    • Das Risiko: Brennst du zu heiß (über der maximalen Temperatur des Tons), schmilzt die Schale im Ofen zusammen oder verformt sich zu einem Klumpen.

    2. Der Ofenbesatz: Absolutes Stapelverbot!

    Im Gegensatz zum Schrühbrand gilt beim Glattbrand die Devise: Nichts darf sich berühren!

    • Kein Stapeln: Da die Glasur flüssig wie Honig wird, würde jedes Teil, das ein anderes berührt, untrennbar miteinander verschmelzen.
    • Abstand halten: Halte mindestens 2 cm Sicherheitsabstand zwischen den Schalen und zu den Ofenwänden bzw. den Ofenstützen. Wenn eine Glasur im Brand Blasen wirft oder leicht spritzt, versaut sie sonst die Nachbarstücke.
    • Planer Stand: Bonsai-Schalen müssen absolut flach auf einer gut waagerechten Ofenplatte stehen. Da der Ton beim Sintern weich und elastisch wird, zieht das Eigengewicht die Schale nach unten. Steht sie schief oder kippelt sie auf einem Füßchen, verzieht sie sich in der Hitze dauerhaft.

    3. Der Schutz der Ofenplatten (Plattenschutz)

    Selbst wenn du die Unterseiten der Füßchen penibel von Glasur freigewischt hast, kann im Hochbrand immer etwas schiefgehen (z. B. wenn die Glasur dicker war als gedacht und anfängt zu laufen).

    • Trennmittel: Die Ofenplatten sollten unbedingt mit einem Platten-Trennmittel (einer feuerfesten Engobe/Schlämme) eingestrichen sein. Läuft doch mal ein Tropfen Glasur ab, frisst er sich nicht in die teure Ofenplatte, sondern lässt sich samt Trennmittel leicht abmeißeln.
    • Sicherheitshalber: Wenn du eine neue, unberechenbare Glasur testest, stelle die Bonsai-Schale auf eine extra dafür getöpferte, unglasierte Tonplatte (ein sogenanntes „Plätzchen“), die eventuelle Läufer auffängt.

    4. Die Schwindung einkalkulieren

    Im Hochbrand schrumpft der Ton noch einmal massiv (oft um weitere 5 bis 10 %, insgesamt verliert Ton vom feuchten Zustand bis nach dem Hochbrand etwa 10 bis 15 % an Größe).

    • Der Aspekt: Da sich die Schale beim Sintern auf der Ofenplatte stark zusammenzieht, müssen die Füßchen auf der rauen Platte „gleiten“ können. Wenn die Platte Unebenheiten hat, kann sich ein Füßchen verhaken, was zu enormen Spannungsrissen führt. Ein Hauch von Quarzsand auf der Ofenplatte, auf den du die Füßchen stellst, wirkt hier wie ein winziges Kugellager und lässt die Schale beim Schrumpfen gleiten.

    5. Das Abkühlen: Vorsicht vor dem „Glasur-Crazing“

    Nachdem der Ofen seine Höchsttemperatur erreicht und gehalten hat (oft hält man die Endtemperatur für 10–20 Minuten, damit sich die Glasur schön glättet), kühlt er ab.

    • Auch hier gilt: Den Ofen ungeöffnet auskühlen lassen!
    • Wenn der Ofen bei ca. 200 °C geöffnet wird, zieht sich das Glas der Glasur schlagartig schneller zusammen als der Ton darunter. Das führt zu feinen Haarrissen in der Glasur (Craquelé). Bei einer Bonsai-Schale für den Außenbereich wollen wir das unbedingt vermeiden, damit kein Wasser unter die Glasur kriecht.
    • Warte, bis der Ofen unter 50 °C abgekühlt ist, bevor du deine fertigen Meisterwerke stolz herausholst.

    Wenn du diese Schritte gemeistert hast, hältst du eine absolut wetterfeste, frostsichere und maßgeschneiderte Schale in den Händen, die bereit ist für ihren ersten Bonsai!

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