- Dieses Thema hat 0 Antworten sowie 1 Teilnehmer und wurde zuletzt vor vor 1 Woche, 3 Tagen von
Gernot aka Bonsai-Treff aktualisiert.
-
AutorBeiträge
-
02.06.26 um 10:11 Uhr #41990
Gernot aka Bonsai-Treff
AdministratorBeim ersten Brand (Schrühbrand – der meistens zwischen 900 °C und 950 °C stattfindet) wird der Ton chemisch unwiderruflich verändert. Aus getrockneter Erde wird Keramik. Da sich die Moleküle im Ton dabei völlig neu anordnen und die letzten Wasserreste entweichen, ist dieser Brand eine echte Belastungsprobe für deine Bonsai-Schale. Hier sind die wichtigsten Aspekte, auf die du beim ersten Brand achten musst:
Das „Quarzsprung“-Risiko: Extrem langsames Aufheizen
Das ist die kritischste Phase des gesamten Brandes. Bis zu einer Temperatur von ca. 600 °C muss der Ofen sehr langsam hochheizen (ca. 100 °C pro Stunde). Dafür gibt es zwei Gründe:
Physikalisches Restwasser: Auch wenn die Schale knochentrocken wirkt, ist immer noch minimale Feuchtigkeit im Ton. Bis 100 °C muss diese komplett verdampfen können, ohne die Schale zu sprengen.
Der Quarzsprung (bei ca. 573 °C): Bei dieser Temperatur verändern die im Ton enthaltenen Quarzkristalle schlagartig ihre Kristallstruktur und dehnen sich um ca. 1 % aus. Passiert das zu schnell oder ungleichmäßig, zerreißt es die Schale.Das richtige Einräumen (Besatz) im Ofen
Beim Schrühbrand hast du einen riesigen Vorteil gegenüber dem späteren Glasurbrand: Die Stücke kleben nicht fest. Da noch keine Glasur im Spiel ist, kannst du den Platz im Ofen optimal nutzen.
Stapeln erlaubt: Du kannst Bonsai-Schalen im Schrühbrand ineinanderstellen, nebeneinander schieben oder sogar (wenn sie stabil genug sind) vorsichtig übereinanderstapeln.
Aber Vorsicht bei der Form: Schalen sollten flach und stabil auf den Ofenplatten stehen. Stellst du eine Schale hochkant oder schief hinein, kann sie sich durch die Hitze und das Eigengewicht dauerhaft verziehen. Die Füßchen der Schale sollten gleichmäßig belastet werden.Chemische Prozesse: Das „Ausgase“-Fenster
Zwischen 300 °C und 800 °C passieren im Ton wichtige chemische Reaktionen:
Das chemisch gebundene Wasser (das fest in den Tonmineralen verankert ist) wird ausgetrieben.
Organische Stoffe (wie winzige Pflanzenreste oder Kohlenstoff im Rohton) sowie Schwefel verbrennen und gasen aus.
Wichtig: Der Ofen sollte in dieser Phase eine gute Belüftung haben (Abluftloch offen), damit diese Gase entweichen können. Passiert das Aufheizen hier zu schnell, werden die Gase im Ton eingeschlossen und es entstehen Blasen oder Risse.Das Abkühlen: Geduld ist eine Tugend
Wenn der Ofen seine Höchsttemperatur (z. B. 920 °C) erreicht hat, schaltet er ab. Jetzt gilt: Ofentür absolut geschlossen halten!
Beim Abkühlen durchläuft der Ton den Quarzsprung bei 573 °C noch einmal rückwärts (er zieht sich wieder zusammen).Wenn du den Ofen zu früh öffnest, strömt kalte Luft ein. Dieser Temperaturschock führt zu sogenannten „Kühlrissen“, die oft erst Tage später sichtbar werden.
Faustregel: Öffne den Ofen erst, wenn er unter 100 °C (am besten Zimmertemperatur) abgekühlt ist. Das Abkühlen dauert meistens genauso lange wie das Aufheizen (oft 12 bis 24 Stunden).
Nach diesem Brand ist deine Bonsai-Schale zwar noch nicht frostfest (das passiert erst im deutlich heißeren zweiten Brand), aber sie ist stabil, saugfähig und bereit für eine eventuelle Glasur oder den finalen Steinzeugbrand!-
Dieses Thema wurde geändert vor 1 Woche, 3 Tagen von
Gernot aka Bonsai-Treff.
-
Dieses Thema wurde geändert vor 1 Woche, 3 Tagen von
Gernot aka Bonsai-Treff.
-
Dieses Thema wurde geändert vor 1 Woche, 3 Tagen von
-
AutorBeiträge
- Sie müssen angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.
